1865
Wien
1864 - 1865 - 1866 | Kalender Wien
Am 3. Jänner beschließt das Eisenbahnkomitee des Handelsministeriums, sowohl Schaeck als auch Moller den Bau von Probelinien zu gestatten. Daraufhin interveniert Schaeck direkt bei Erzherzog Rainer und weist auf die Gefahr der Zersplitterung von Verkehrswegen hin. Außerdem bittet er um eine möglichst rasche Konzessionserteilung, damit die erste Linie noch am Geburtstag des Kaisers eröffnet werden kann. Damit hat die Firma auch Erfolg, denn am 19. Februar revidiert das Eisenbahnkomitee seine bisherigen Beschlüsse und erteilt nur Schaeck-Jaquet & Comp. eine Konzession für eine oder mehrere Probestrecken auf fünf Jahre. Am 30. Mai genehmigt auch der Gemeinderat die Probelinie, so dass am 28. Juni mit dem Bau begonnen werden kann.
Zu dieser Zeit nennt sich die Gesellschaft Wiener Straßen-Eisenbahn und hat ihren Sitz in der Mariannengasse 1. Zeichnungsberechtigt sind
- Carl Schaeck-Jaquet, Ingenieur
- Adolph Martin Schaeck, österreichischer und schwedischer Konsul in Genf
- Gabriel Graf Diodati
Die Firma verwendet schon bald auf ihrem Briefpapier die Bezeichnung Wiener Tramway-Gesellschaft. In Zeitungen wird sie dagegen desöfteren als Erste Franz-Josephs-Pferdeeisenbahn bezeichnet. Beide Namen waren aber wahrscheinlich nie offiziell. Nachdem am 2. Oktober eine Probefahrt stattfindet, wird am 4. Oktober die eingleisige Probelinie
- Schottentor - Universitätsstraße - Alser Straße - Ottakriger Straße - Taubergasse - Hernalser Hauptstraße bis zur Remise Hernals (Wattgasse)
feierlich eröffnet (also erst einige Zeit nach Kaisers Geburtstag am 18.August). Der Umweg über die Alser Straße ist notwendig, weil sich hier ein Tor im Linienwall befindet. Der erste Wagen fährt nach 14 Uhr von der kreuzförmigen Wartehalle vom Schottentor ab. Er wird dabei von zwei reitenden Polizisten begleitet, die den Weg freimachen. In Abständen von jeweils drei Minuten folgen fünf weitere Wagen. Nach fünf Minuten ist der Linienwall erreicht, nach weiteren fünfzehn die Endstation bei der Wagenremise Hernals, die zu einem Speisesaal für die Festgäste umfunktioniert wird. In den folgenden Tagen kommt es zu einem Massenandrang. Am Nachmittag des folgenden Sonntag kommt es auch zu mehreren Unfällen, die teilweise durch Überfüllung, aber auch absichtlich durch Fuhrwerker verursacht werden, die die Pferdetramway als unerwünschte Konkurrenz ansehen. Als Fahrbetriebsmittel werden vorläufig 10 Winterwagen bei der k.k. landesbefugten Maschinenfabrik und Waggonbauanstalt Johann Spiering beschafft. Sie haben 22 Sitze im Inneren und 14 auf dem Dach (sog. "Imperialwagen"). Diese Wagen werden ausnahmslos von zwei Pferden gezogen. Die Gleise bestehen aus 7-8 m langen Flachrillenschienen (Loubat-Schienen), verlegt aus Holzlangschwellen.
Außerdem wird am 10. Oktober Ludwig Spängler, langjähriger Direktor der Wiener Städtischen Straßenbahnen, in Riedau (OÖ) geboren.
Graz
1864 - 1865 - 1866 | Kalender Graz
Die Genfer Firma Schaeck-Jaquet & Compagnie bewirbt sich in einem Schreiben vom 20. April um die Erteilung einer Konzession zur Errichtung einer Pferdetramway in Graz. Dieses Ansuchen wird jedoch abgelehnt, da die Stadt noch keine Notwendigkeit für Massenverkehrsmittel sieht.
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